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2.6.07

Fehu

Nun kommen wir endlich zu den Runen. Die erste Rune des älteren Futhark heißt Fehu, und sie steht für den Lautwert „F“. Fehu ist somit auch die erste Rune des ersten Aett, also der ersten Acht von den insgesamt 24 Runen (Wiki meint: Aettir = altnordisch für Acht). Die ersten acht Runen werden das Bauern- oder aber auch Freyrs Aett genannt.

Und noch mehr Begriffe, die mit F beginnen, werden mit dieser Rune in Zusammenhang gebracht: Feuer, Fruchtbarkeit, Fackel, Freiheit, Freigiebigkeit, aber auch Erotik, Erschaffen und Zerstören (nach Igor Warneck). In einigen Veröffentlichungen las ich ferner die Bedeutung Fehu = Vieh und damit beweglicher Besitz.

Neben Freyr sind noch weitere Wanengottheiten mit Fehu verbunden, nämlich Frija, Frigg und Freya. Möglicherweise sind sie tatsächlich drei Göttinnen, vielleicht ist es aber auch nur eine – unter Umständen eine Dreifaltige. Die Mondgöttin wurde im Altertum in vielen Kulturen auch als dreifaltig wahrgenommen. In diesem Sinne wäre Freya, die Freie, der Aspekt des zunehmenden Mondes, Frigg als Mutter von Odins Kindern der volle Mond und Frija die weise Alte, der schwindende Mond. Nach Jakob Amstatt ist Freya ursprünglich gar nicht die (Zwillings-) Schwester von Freyr sondern eher seine Mutter und er der kleine Sohn in ihren Armen, sichtbares Zeichen ihrer Fruchtbarkeit. Mehr Überlegungen zu ihrem vielfältigen Wesen sind in meinem ersten Runenblog zu finden.

Auf der einen Seite wird Fehu also mit den Wanen in Verbindung gebracht, die meiner Kenntnis nach fleißige und wohlhabende Bauersleute waren. Auf der anderen Seite wird seine Bedeutung mit dem beweglichen Reichtum in Gestalt der Viehherden von Hirtennomaden gleichgesetzt, als welche die Indoeuropäer, die "Asen", hierher kamen. Ein Widerspruch? Übrigens gibt es eine Parallele zur Lateinischen Sprache. Da heißt Vieh pecu (vergl. fehu) und Geld pecunia. Auf alle Fälle weist mobiler Reichtum auf den sichtbaren Ausdruck von starker Lebensenergie hin. Vielleicht ist Fehu auch ein Schritt auf die Versöhnung der beiden völlig entgegengesetzten Lebensweisen zu.

Das ungewöhnliche Wort "Fahrhabe" lernte ich im Zusammenhang mit Fehu kennen. Dazu tauchten Bilder von der langen Wanderung der Kimbern und Teutonen auf, bei der sie alles, was sie besaßen, in ihren von Ochsen gezogenen Karren mit sich führten. Und ich dachte an die Jahrhunderte der Völkerwanderungen am Anfang unserer Zeitrechnung, die bestimmt unter ganz ähnlichen Voraussetzungen geschahen. Aus den alten Wildwestfilmen erinnere ich dazu auch die Bilder der Siedler in den Planwagen auf ihren Trecks in den Westen.

Fehu, die erste Rune, erlebe ich ähnlich wie die feurige Energie des Marsprinzips in der Astrologie. Auch der Widder, sein Zeichen, steht am Anfang des Tierkreises. Bei ihm fehlt nur der Aspekt der Fruchtbarkeit und des Reichtums, er stellt lediglich die Anfangsenergie für Prozesse jeder Art zur Verfügung. Dafür wird der Aspekt des Kampfes beim Mars stärker betont (Energie trifft auf Widerstand).

Die Beweglichkeit von Besitz ist schon eher mit Merkurs Wesen verbunden. Aber zu Merkur kommen wir bestimmt später noch, wenn es um Odin/Wodan geht.

Wenn ich die Rune Fehu einige Male energisch ausspreche, entsteht bei mir das Bild eines Feuerausstoßes wie beim Abfackeln von Gas oder Öl, aber auch wie bei Geschützfeuer von Kanonen oder anderen Schusswaffen.

Ebenso kommt mir das Bild einer Geburt in den Sinn oder das heftige Sprießen (Ausschlagen) der Bäume und Pflanzen im Frühjahr. Blätter haben ja auch fast die Form von grünen Flammenzungen. Hildegard von Bingen nannte diese Energie „Grünkraft“.

Ja, und nun beginnt laut Runenbrieflehrgang meine "Fehu-Zeit", und ich werde darauf achten, was mir in den nächsten Tagen und Wochen Besonderes begegnet.